Virtual Reality – Der Jackpot für den Journalismus?

Virtual Reality ist keine Zukunftsvision mehr – und schon längst nicht mehr nur etwas für Nerds. Heute dürfte jedem klar sein, dass VR auch für den Journalismus eine große Rolle spielen wird. Wie genau das aussehen könnte, haben führende Experten bei den Digital Masterminds in Berlin diskutiert. Unsere Studienleiterin Kristin Schulze war dabei.

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Einer Studie von Goldmann Sachs zufolge wird der Markt für Virtual Reality im Jahre 2025 größer sein als der TV-Markt, gerade auch, weil die Anwendungsmöglichkeiten riesig sind. Virtual Reality emotionalisiert, es stillt die Sehnsucht nach Orten, die man so nie besuchen könnte. Julia Leeb, Journalistin in Krisenregionen, kann das bestätigen. „Bei Virtual Reality taucht der User komplett ein, er ist vollständig von dem Medium umgeben“, sagt sie. „Es ist viel mehr als Fernsehen, es ist Fernsein.“ Ein Effekt, den Journalismus so nie zuvor kreieren konnte.

Julia Leeb
Julia Leeb

Ist das jetzt aber die große Chance für uns Journalisten? Könnte es. Digital-Experte Daniel Domscheit-Berg hält Virtual Reality für eine Möglichkeit den User stärker für das politische Weltgeschehen zu interessieren. „Wir sind heute zu wenig emotionalisiert. Die vielen Bilder der Flüchtlingskrise, die ganzen Videos, all das scheint an den Usern abzuperlen. Durch das vollständige Eintauchen in eine Geschichte kommen wir eventuell wieder näher an die Menschen heran.“ Vielleicht bedeutet dass in letzter Konsequenz, das einen die unzähligen Bilder frierender Flüchtlingskinder doch zum Handeln zwingen, weil wir mit VR mitten in der Situation stehen, nicht wegschauen oder wegklicken können und es für den Moment keinen Ausweg gibt.

Lorenz Matzat
Lorenz Matzat

Ein weiteres Beispiel: „Stellen Sie sich vor, Sie wären dank Virtual Reality bei der Hinrichtung eines Regimekritikers in Riad dabei, bei einem Verstoß gegen die Menschenrechte. Da hinterfragen Sie doch, warum Saudi-Arabien so ein wichtiger Handelspartner für Deutschland ist“, so Julia Leeb. Für sie ist VR ganz klar eine Technik, die den User aufrüttelt, ihn dazu bringt Dinge, die um ihn herum passieren, in Frage zu stellen.

Daniel Domscheit-Berg
Daniel Domscheit-Berg

Damit VR in dieser Gänze genutzt werden kann, muss aber noch einiges passieren. Lorenz Matzat, Journalist und Software-Entwickler meint, es dürfte noch gut fünf bis zehn Jahre dauern, bis die Technik soweit ist, das sie für jeden Menschen nutzbar ist.“ Trotzdem ist die Pionierphase, in der sich Medien überall auf der Welt gerade befinden, extrem spannend. 360°-Videos von Messen, Demonstrationen oder aus Flüchtlingscamps dürften nur der Anfang einer großen VR-Offensive im Journalismus sein. Unterstützt wird diese Entwicklung von Technikriesen wie Samsung, die vorbestellten Galaxy S7-Smartphones ihre Brille Gear VR beilegen. Der Weg des Users sich mit VR-Inhalten zu beschäftigen, wird immer kürzer.

Virtual Reality - Das neue große Ding?
Virtual Reality – Das neue große Ding?

Die Möglichkeiten von Virtual Reality scheinen jetzt schon unendlich. „Ich kann meinen User auf den Mars bringen, in ein Blutkranzgefäß, alles ist möglich“, so Lorenz Matzat. Was für einen Schub das alleine für den Wissenschaftsjournalismus bedeuten könnte, kann man sich schon heute in Ansätzen vorstellen. Allerdings muss vorher, so Domscheit-Berg, definiert werden, welche Themen sich für VR eignen. Darin liegt dann eben auch die journalistische Arbeit. „Was wir mit dieser Technik machen, ist entscheidend“, so Domscheit-Berg. „Wie wir damit umgehen, was wir damit produzieren, darauf kommt es an.“ Anders gefragt: Werden es Journalisten schaffen, mit Virtual Reality ihre User zu begeistern und zum Wiederkommen zu bewegen? Dafür bedarf es, neben der technischen Komponente, ganz klar einiger neuer journalistischer Skills. Die Konzeption von Virtual Reality-Stories wird ein großes Thema in der Zukunft sein. Es werden sich neue Erzählformen etablieren, die den Journalismus in seiner Form komplett verändern könnten.

Text: Kristin Schulze, Fotos: Digital Masterminds