„Zu manchen Pferden habe ich einen sehr engen Draht. Vielleicht sogar einen engeren als zu dem einen oder anderen Freund oder Familienmitglied“, gesteht Ludger Beerbaum und wirbt für mehr Transparenz im Pferdesport, denn mit den Dopingregeln im Sport hat der mehrfache Olympiasieger, Welt- und Europameister schon seine sehr eigenen Erfahrungen gemacht, wie er im Studium generale erklärte und dabei auch verriet, was ihn mit Bayern-Star Thomas Müller verbindet.

Der Springreiter in Aktion, die Ullsteins an der Wand und (v.r.) Nadine Jantz, Silja Rulle und Pauline Schnor in der Ullstein-Bar

Später abends in der Ullstein-Bar hoch oben im 19. Stock: Der Springreiter in Aktion, die Ullsteins an der Wand und (von rechts) Nadine Jantz, Silja Rulle und Pauline Schnor after work                  (Fotos: Thomas Porwol)

Aber zunächst ging es um Jacken. Um Beerbaums, weil er seit seinem Oberarmbruch kurz vor Silvester 2017 noch leicht gehandicapt ist, was man beim Ausziehen der Jacke im Roten Salon beobachten konnte. Und um die knallrote Jacke von Kai Franzke. Der ist Volontär aus Team 23 und hatte die Ehre, den Abend mit dem prominenten Gast moderieren zu dürfen. Doch Beerbaum kam früher als erwartet. Sehr viel früher. So früh, dass Franzke keine Zeit zum Umziehen blieb. Zu späterer Stunde sollte sich das als Glück erweisen. Doch zunächst standen ernste Themen im Vordergrund.

„Ich wünsche mir einen guten, fairen und sauberen Reitsport“, sagte Beerbaum – einer, bei dessen Pferd Goldfever während der  Olympischen Spiele 2004 in Athen Betamethason im Blut entdeckt wurde. Beerbaum hatte eine Verletzung des Pferdes in der Wettkampfphase medikamentös behandelt, ohne das zu melden. Dieses Versäumnis kostete ihn die Medaille. Einer, der 2009 mit der Aussage „Ich habe mich darauf eingestellt, dass erlaubt ist, was nicht gefunden wird. Das war falsch!“ gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung auf große Kritik gestoßen war.

Seine laxe Offenheit damals gegenüber der FAZ bereut er nicht, auch wenn er sich der Reichweite vorher nicht bewusst war. „Die Aussage war immer nur auf medikamentöse Behandlung, nicht aber auf Doping bezogen“, beteuert Beerbaum und erklärt den schmalen Grat im Interessenkonflikt von Pferdesportlern zwischen verbotenem Doping und gebotener Medikation. Immerhin verlangt es der Tierschutz, dass ein krankes oder verletztes Tier bestmöglich behandelt wird – notfalls auch medikamentös.

Allerdings müssen Medikamente im Spitzensport angemeldet werden. „Die Grenze zwischen Medikation und Doping ist dabei leider nicht ganz klar.“ Es sei deshalb wichtig, das auch öffentlich zu thematisieren, sagt Beerbaum, der vom Verband der Reiterlichen Vereinigung mehr Rückhalt wünscht: „Es ist traurig, dass wir auch 2018 noch nicht bereit sind, da transparenter zu sein“, sagt er in Hinblick auf die jüngsten Vorwürfe etwa gegen Julia Krajewski, die bei einer Medikationskontrolle mit positiven Werten bei der Vielseitigkeits-Europameisterschaft in Polen aufgefallen war.

Zu mehr Transparenz könne unter anderem eine Videoüberwachung in Ställen, zumindest während der Wettkampfphase, zählen. Vor allem plädierte Ludger Beerbaum aber für die nationenübergreifende Einführung eines Behandlungsbuchs, in dem jede Form der Behandlung eines Pferdes – vom homöopathischen Mittel bis zum veterinärmedizinischen Eingriff – festgehalten wird. „Es ist zwar noch schwer, wirklich lückenlos jede Behandlung zu notieren, aber in einem solchen Behandlungsbuch steckt viel Potential für mehr Transparenz.“

Rotes Manifest: Kai Franzkes Outfit als Bekenntnis zum Fußball und Ludger Beerbaums geduldige Erklärung des Unterschieds von Arznei und Doping

Rotes Manifest: Kai Franzkes Outfit als Bekenntnis zum Fußball und Ludger Beerbaums geduldige Erklärung des Unterschieds von Arznei und Doping

Und dann zeigte sich Beerbaum auch beim anschließenden Smalltalk erstaunlich offen als das Gespräch auf Franzkes leuchtend rote Sportjacke mit dem blau-weißen Hertha-Emblem kam. Die Geschichte: Ludger Beerbaum und Fußballnationalspieler Thomas Müller kennen sich durch den Pferdesport sehr gut. Der Springreiter wird auch mehrmals von Müller zu Heimspielen des FC Bayern München eingeladen, zuletzt gegen Hertha BSC. Daher ermunterte Fußballfan Beerbaum den gut aufgelegten Kai Franzke, die Trainingsjacke getrost anzubehalten auch während des offiziellen Studium generale. Er fände es super, wenn man so zu seinem Verein steht. Und ohne diese Jacke hätte das Team Beerbaums Verbindung zu Thomas Müller womöglich nie erfahren.                Katharina Maß