Inwieweit können Journalisten des Hauses Axel Springer frei berichten? Oder müssen sie aus Prinzip israelfreundlich und pro USA sein – wie mitunter behauptet wird? Diese und weitere Fragen beantwortete Welt-Chefkommentator Jacques Schuster im ersten Studium generale des neues Team 23.

Dr. Jacques Schuster, Chef-Kommentator der WELT-Gruppe, im Roten Salon derAkademie

Dr. Jacques Schuster, Chef-Kommentator der WELT-Gruppe, im Roten Salon der Akademie

„Journalisten spiegeln Wirklichkeit nur ab, erschaffen sie nicht.“, so Schuster zu den frisch „eingeschulten” Volontären, die mit ihm über die fünf Essentials sprechen wollten, die als Präambel in den Arbeitsverträgen der Journalistin der Axel Springer SE stehen. Kernfrage: Inwieweit darf man im Hause Axel Springer zum Beispiel kritisch über Israel oder die USA berichten?

Man müsse sogar kritisch sein, so Schuster zum Grundverständnis von Journalismus. Aber mit Blick auf die fünf Grundsätze: Das Existenzrecht Israels anzuerkennen bedeute im Umkehrschluss ja nicht,  Palästina nicht als Staat anzuerkennen. Er gehe von der Zwei-Staaten-Lösung aus, so Schuster. Dabei sei Kritik an Israel folglich kein Problem. Nur wer das Existenzrecht an sich anzweifele, habe bei Springer nichts verloren.

Zu den insgesamt fünf so genannten Essentials meinte Schuster weiter, man solle sie verinnerlichen wie etwa die zehn Gebote. Es seien keine Leitlinien, die man runterbetet, sondern viel eher Richtlinien, die man fast als banal ansehen könnte: „Wenn man ein geistiges Kind der Bundesrepublik Deutschlands ist, hat man die Essentials sowieso verinnerlicht. Im Hinblick auf das Ende des Liberalismus sind sie vielleicht doch aktueller als wir glauben.”