Karlheinz Gaertner steigt aus dem Taxi aus. Am liebsten wäre er im Dienstwagen zur Axel Springer Akademie gekommen, in Uniform und mit Handschellen am Gürtel. Er war einmal Polizist, wurde als „Sheriff von Neukölln“ bekannt, verfolgte Drogenbosse und Mörder. Seine Amtszeit ist vorbei, seine Faszination für Kriminalität geht weiter. Als er den Roten Salon im 6. Stock des Springer-Hauses betritt, wird es spannend.

Karlheinz Gaertner im Gespräch mit Team 23, moderiert hier von Silja Rulle und Felix Seifert

 

Eigentlich ist Karlheinz Gaertner längst im Ruhestand. 44 Jahre war er in den Straßen von Neukölln als Kriminalpolizist auf Streife. Noch immer läuft er gern durch den Stadtteil: Er schlendert nicht. Seine Schritte sind schwer, er geht selbstbewusst, trägt eine Lederjacke.

In den Straßen von Neukölln ist er wieder der Alte. Dort erinnert sich Gaertner an seine Zeit im Dienst. Seit den 60er-Jahren hat er in dem Bezirk Kriminelle verfolgt: Diebe, Drogendealer, Mörder – Karlheinz Gaertner hat schon fast alles erlebt. Manche seiner „Kunden“ kennt er inzwischen persönlich. Angst vor ihnen hat er nicht. „Man darf nur keine Vorurteile haben“, sagt der ehemalige Polizist.

Lange hat Karlheinz Gaertner auch in Neukölln gewohnt. Gefährlich findet er den Bezirk nicht, er gehöre nicht in die Zielgruppe der Kriminellen. „Verbrecher suchen sich die Opfer aus. Auf den Ort kommt es dabei nicht so sehr an“, erläutert Gaertner. Aber es gebe Opfertypen, die gefährdert seien.

Ganz gefahrlos war Gaertners Job aber nicht. In Hinterhäusern oder auf offener Straße: „Wenn ich einen Verdacht hatte, musste ich hinterhergehen“, sagt Gaertner. Selbst jetzt – im Ruhestand – sieht Gaertner sich noch nach Kriminellen um, stellt Ladendiebe und Kleinkriminelle, ruft die Polizei.  Aber er rennt den Delinquenten nicht mehr hinterher – eher schon ihren Geschichten. Viele davon hat er aufgeschrieben und inzwischen in mehrerer Büchern veröffentlicht.

Am liebsten aber erzählt er seine Anekdoten jedoch im persönlichen Gespräch: von arabischen Clans, unverständlichen Rechtssystemen, von Videoüberwachung und seinen ganz eigenen Ansichten zum G20-Gipfel 2017 in Hamburg. Auf dem Papier ist Karlheinz Gaertner zwar schon im Ruhestand, doch seine Geschichten sind lebendig. „Ich bin vielleicht schon Pensionär“, sagt Karlheinz Gaertner. „Aber Polizist bin ich auf Lebenszeit.“     Felix Seifert