„Die großen Plattformen sind wie ein Casino. Am Ende gewinnt immer die Bank!“ Medienwissenschaftler Bertram Gugel sieht die (All-)Macht von Facebook & Co. mehr als kritisch. Im Gespräch erklärt er, wie sich Journalisten im heutigen redaktionellen Alltag aufstellen müssen. 

Eine Algorithmus-Änderung bei Facebook führt plötzlich zu Traffic-Einbrüchen bei namhaften Medienseiten, Fake News überschwemmen die sozialen Medien und ebendiese Plattformen kreieren das Bild, das viele User von der Welt haben – Entwicklungen, die gerade Journalisten große Sorgen bereiten. Bertram Gugel beobachtet Social Media schon lange. Für ihn ist klar: „Das Publikum, dass Medien bei Facebook, Instagram und so weiter aufbauen, ist gar nicht ihr Publikum. Es ist das Publikum der Netzwerke. Journalisten sollten deswegen genau überdenken, was sie eigentlich erreichen wollen.“ Reichweite, so Gugel, kann helfen Kontakte herzustellen, Personal Branding zu betreiben und in den direkten Austausch mit dem Publikum zu treten. „Ein Journalist muss definitiv mehr Ziele haben als nur seinen Inhalt auf die Plattformen zu schießen.“ Dadurch wird der Journalismus plattformunabhängiger.

Eigentlich, so Bertram Gugel, gelten auch heute noch die gleichen Regeln für Journalisten wie zu pre-social Media-Zeiten. „Journalisten sind dazu da Komplexität zu reduzieren, Leuten Dinge näher zu bringen. Heute hauen sie oftmals nur noch News raus und lassen den User damit alleine. Aber das ist euer Job, den müsst Ihr machen!“ Mehr Gelassenheit und mehr Fokus auf den Inhalt statt auf die Performance auf den Plattformen – für Bertram Gugel ist das die Basis für einen erfolgreichen Journalismus.

 

Das Interview führte unsere Studienleiterin Kristin Schulze