Geborene Polin, überzeugte Berlinerin, im Herzen Israelin: Mit Lala Süsskind lernen wir im Studium Generale eine Frau kennen, die uns überrascht. Trügerisch ihr Name Lala, der zart und mädchenhaft klingt. Stattdessen erleben wir eine Frau, die Konfrontation nicht scheut und derbe Worte findet: „Meine Feinde muss ich nicht anlächeln. Manchmal würde ich gerne zuschlagen, aber dafür bin ich leider zu schmal.“

Klare Ansage: Lala Süsskind im Roten Salon der Axel Springer Akademie

Klare Ansage: Lala Süsskind im Roten Salon der Axel Springer Akademie

 

Lala Süsskind wurde als Frida Rubin in Polen als Kind jüdischer Holocaust-Überlebender geboren. Die Familie floh 1947 nach Berlin, wo sie in einem von den Amerikanern errichteten Auffanglager für Juden Zuflucht fand. Süsskinds heutiger Rufname etablierte sich im Alter von 13 Jahren. Damals fand ihr Lehrer, dass ihr eigentlicher Name „Frida“ eher nach einem „dicken, vollbusigen Waschweib“ klinge. Kurzerhand griff er auf einen Kosenamen zurück, mit dem sie die Eltern bereits als Baby bedachten. „Lala“ ist das polnische Wort für „Puppe“; Ein Name, den sie bis an ihr Lebensende behalten werde, so Süsskind.

Sie ist seit 2008 im Präsidium des Zentralrats der Juden und Vorsitzende des Schwulen- und Lebensverbands in Berlin. Dabei kämpft sie gegen Homophobie, Antisemitismus und Diskriminierung jedweder Art. Doch gerade der Antisemitismus bekomme aktuell Auftrieb, das spüre sie als Jüdin in Deutschland immer stärker. Damit wachse exponentiell auch die Verunsicherung der in Deutschland lebenden Juden.

Verantwortlich dafür macht Süsskind die Politik. Der Einsatz der Bundeskanzlerin gegen Antisemitismus und für den Staat Israel seien lediglich Lippenbekenntnisse. „Auf die kann ich verzichten, wenn Worten keine Taten folgen, kann man ’s vergessen.“ Konkret benennt Süsskind das Versagen des Rechtsstaates bei der Ahndung von antisemitischen Äußerungen. Warum sind Demonstrationen erlaubt, bei denen öffentlich Hass-Parolen gegen Juden skandiert werden? Fällt das noch unter Meinungsfreiheit? Das Verbreiten von Hass dürfe niemals mit dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit legitimiert werden, so Süsskind. Eine Schande sei es, dass derartiger Rassismus nicht geahndet werde.

Dabei hat Süsskind selbst Anzeige erstattet gegen Personen, die bei der Al-Quds- Demonstration in Berlin „Tod den Juden“ gerufen hatten. Die Anzeigen verliefen im Nichts – für Süsskind ein Zeichen des Versagens der Bundesregierung im Kampf gegen Antisemitismus. Sie fordert deshalb ein konsequenteres Vorgehen gegen derartige Vorfälle und unterstützt den Ruf nach dem Amt eines Antisemitismus-Beauftragten. Es sei erschreckend, dass erst jetzt darüber diskutiert werde. Ein Antisemitismus-Beauftragter sei längst überfällig.

Mit solchem Engagement macht sie sich natürlich nicht nur Freunde. Hass-Mails erhält Lala Süsskind zur Genüge. Auf unsere Frage, wie sie damit umgehe, lächelt sie fast püppchenhaft: „Mein Mann sagt immer: Man profiliert sich über Feinde. Wenn dem so ist, hab’ ich noch nicht genug.“                       Alina Quast