Bilder üben auf den Menschen eine erhebliche Macht aus. Schon Epiktet formulierte vor rund 2.000 Jahren „Nicht die Dinge [Bilder] selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Urteile und Meinungen über sie“. Übertragen auf die heutige Medienwelt könnte man den Satz des Epiktet so deuten, dass nicht die Fakten uns bewegen, sondern die Bilder, die sich in uns davon formen.

Die Bilder, die wir im Fernsehen, bei Onlinemedien oder in Zeitungen sehen, bestimmen unsere Realität. Somit haben jene, die den Rezipienten diese Bilder liefern und zeigen, eine besondere Verantwortung zu tragen. Journalisten brauchten früher lange für ein Bild. Auch das Entwickeln dauerte. Also überlegte man sich genau, was man fotografierte – und wann. Heutzutage mit Smartphones oder digitalen High-End-Kameras dauert der Klick nur wenige kurze Augenblicke und das Versenden geht meist vom Aufnahmegerät selbst in Millisekunden.

Wenn man die Bilder als Journalist nicht selbst gemacht hat, muss man vor der Verwendung entweder dem Macher sehr vertrauen, oder die Herkunft des Bildes recherchieren. So gerät man nicht in die Gefahr, wortwörtlich ein falsches Bild der Realität vermittelt zu haben.

Das Gegenchecken von Quellen gehört zum Grundhandwerkszeug eines jeden Journalisten. Ohne diese Tätigkeit sollten weder Bilder, noch Videos, Audiofiles, Texte oder Zitate publiziert werden. Wer Bilder von Bilddatenbanken wie Shutterstock oder Getty Images verwendet, kann zwar in einem großen Maß darauf vertrauen, dass diese Bilder auch tatsächlich von den in den Beschreibungen erwähnten Fotografen stammen, aber Kontrolle ist auch hier besser als allzu blindes Vertrauen.

Diese Kontrolle basiert meist auf RIS – reverse image search. Dieses Tool kann Bilder als Suchbegriffe verwenden. Es funktioniert unter anderem bei Google, Yandex, TinEye, Baidu und Bing. Die Rückwärtssuche von Bildern erlaubt es herauszufinden, ob ein Bild bereits auf einer anderen Webseite veröffentlicht wurde. Hier spielt auch das Thema Urheberrecht, speziell bei Fotografen, eine wichtige Rolle.

Rückwärtsgerichtete Bildersuche für Journalisten bei Google

Viele Journalisten beginnen ihre Recherche bei Google. Das ist in der Regel ein guter und im Endeffekt aufschlussreicher Start. Dabei geht es nicht nur um die Bildquelle, sondern es kann auch mit etwas Glück der Kontext ermittelt werden, in welchem das Bild oder das Foto entstand. Die Google Bildersuche ist ein journalistisches Tool, dass eine vertiefende Recherche ermöglicht.

Bei der rückwärtigen Bildersuche via Google haben Journalisten im Allgemeinen drei verschiedene Möglichkeiten. Erstens kann man Bilder, die man bereits auf seinem privaten oder beruflichen Computer gespeichert hat, durch das Google-System überprüfen lassen. Man kann nun einfach durch Drag & Drop des Bildes in die Suchleiste die Suche starten, oder diesen Prozess mittels Hochladens starten. Zweitens kann man zu Bildern, die man im Internet recherchiert hat, weitere Informationen ermitteln. Dazu kann man die Bild-URL einfach in die Google-Bildersuche einspeisen, und schon bekommt man binnen kürzester Zeit eine Vielzahl an nützlichen Informationen über das Bild. Drittens können Journalisten, wenn sie gerade unterwegs sind und ein Bild überprüfen wollen, bei der rückwärtsgerichteten Bildersuche von Google auch das Smartphone oder das Tablet verwenden.

Am einfachsten nutzt man die rückwärtige Bildersuche von Google mit dessen hauseigenem Browser Chrome. Dieser ermöglicht eine umgekehrte Suche nach Bildern ganz einfach. Dazu klickt man mit der rechten Maustaste auf das entsprechende Bild und entscheidet sich dann für „Mit Google nach Bild suchen“. Im Anschluss werden die Quellen sowie sogar die verschiedenen Größen des Bildes angezeigt. Ähnliches gilt, wenn man bei Chrome unter Google Bilder im Suchfenster das Icon der Kamera anklickt. Dann fügt man einfach die Bild-URL ein oder lädt schnell das Bild, dessen Herkunft man erfahren will, an Ort und Stelle hoch. Dies alles sollte aktuell auch bei Google Chrome für Smartphones funktionieren.

Mobile umgekehrte Bildersuche mit Google Chrome

Für die meisten Journalisten ist es auch heute noch ihr täglich Brot, immer unterwegs und dabei mobil erreichbar zu sein. Was liegt also näher, als das ohnehin immer präsente Smartphone mit seinen vielen Funktionen zur rückwärtsgewandten Bildersuche einzusetzen.

Journalisten mit Android-Smartphones, die Google Chrome nutzen, können die umgekehrte Bildersuche wie angesprochen verwenden. Den Grund, warum Google als meistgenutzte Suchmaschine der westlichen Hemisphäre bis heute dieses Feature nicht in ihrer normalen mobilen Suchmaske untergebracht hat, weiß wohl nur der Konzern selbst. Wie die Suche nach dem Ursprung und den verschiedenen Größen von Bildern am Smartphone funktioniert, wird hier kurz erläutert.

Ein Hochladen von eigenen Bildern, um zum Beispiel deren Verbreitung im Netz zu verifizieren, ist mit der Chrome-App nicht durchführbar. Allerdings stellt der Google Browser die Option zur Verfügung, die Rückverfolgung all jener Bilder durchzuführen, die man im Browser findet. Der Weg dafür ist zwar nicht kompliziert, aber für den schnellen Gebrauch durchaus umständlich. Zuerst sollte man natürlich Google Chrome als App installiert haben. Ist dies geschehen, öffnet man die Chrome-App und geht auf die Seite, auf welcher das zu suchende Bild angezeigt wird. Nun berührt man das Bild so lange, bis sich ein kleines Pop-Up-Menü mit vielen weiteren Optionen öffnet. Eine der Auswahlmöglichkeiten in diesem Menü nennt sich „In Google nach dem Bild suchen“. Wählt man diese Option aus, sollte sich umgehend ein neuer Tab mit den Ergebnissen der Rückwärtssuche des Bildes öffnen.

Wer sich allerdings etwas von Google und seinen Funktionen emanzipieren will, kann die Bilder selbstverständlich auch per Smartphone in eine Cloud oder auf eine Bild-Upload-Website hochladen. So kann man die umgekehrte Bildersuche über einen Umweg starten.

Journalistische Recherche durch umgekehrte Bildersuche – ist Google der Platzhirsch?

Für viele angehende sowie etablierte Journalisten beginnt die Recherche bei der Eingabe des Suchbegriffs bei Google. Bei der Wort- und Textsuche ist Google immer noch die unangefochtene Nummer Eins. Diesen Status machen dem US-Konzern bei der rückwärtigen Bildersuche allerdings andere streitig. Aber lohnt es sich für einen Journalisten überhaupt, sich Alternativen zum Marktführer zu suchen? Kurz gesagt, Ja.

Gegenwind bekommt Google von Yandex und TinEye. Diese beiden Suchmaschinen bieten dem Rechercheur eine größere Bandbreite und damit eine breitere Quellenlage. Google hat zwei große Stärken. Bei der Reverse Image Search kann man viele Zusatzoptionen wie Einschränkungen der Suchparameter eingeben, und die Größe des Indexes ist natürlich bis heute unerreicht.

Aus Russland stammt die Suchmaschine Yandex. Diese bietet wie der US-Konkurrent die Rückwärtssuche von Bildern an. Das Ganze funktioniert selbst auf der deutschen Version noch mit einem englischsprachigen Ausgabefeld. Viele Nutzer berichten darüber, dass die Suchergebnisse in diesem speziellen Feld besser sind als bei der Konkurrenz. Verifizieren lassen sich diese Aussagen aber aktuell durch keine Studie. Yandex bietet in der mobilen Version unter anderem auch eine automatische Erkennung von Texten in einem Bild. Zusätzlich ist es möglich, bestimmte Automodelle so zu suchen. Mittels Yandex kann man dank einer Cropping-Funktion auch Bildausschnitte selektieren und diese als Grundlage für die anschließende rückwärtige Bildersuche angeben.

Aber sowohl Google als auch Yandex sind in ihrem Kern „normale“ Suchmaschinen. Das aus Kanada stammende TinEye hingegen ist eine Suchmaschine, die einzig für die Rückwärtssuche von Bildern konzipiert wurde. Diese hohe Spezialisierung ist zum einen Vorteil, zum anderen Nachteil. TinEye sucht im Netz beinahe ausschließlich nach Varianten des Originalbildes. Eine Suche nach ähnlichen Bildern findet im Allgemeinen nicht statt. So kann man sich zwar zum einen sicher sein, dass die Suchergebnisse bei den meisten Versuchen dem Original entsprechen, aber die Suche bietet oftmals nur wenige Treffer. Warum TinEye trotz der oftmals geringen Trefferquote für Journalisten ein spannendes und nützliches Tool sein kann, betrifft die guten Sortiermöglichkeiten. Man kann die Suchtreffer nach Domains ordnen, somit werden zum Beispiel Stockfotos separat erfasst. Angezeigt wird auch das Upload-Datum des Bildes. Dies kann für die Recherche, wer wann welches Bild zuerst verwendet hat, ein unschätzbarer Fakt sein.