Enthüllungsjournalist

Enthüllungsjournalisten geraten in unregelmäßigen Abständen in den Fokus der Öffentlichkeit, wenn sie skandal- und sensationsträchtige Geschehnisse aus den Bereichen Politik, Kultur, Wirtschaft oder Gesellschaft veröffentlichen. Der Enthüllungsjournalismus wird auch als Investigativjournalismus bezeichnet, wobei sich der Name vom lateinischen Begriff „investigare“ für „aufspüren“ ableitet. Die Basis für dieses Fachgebiet des Journalismus bildet eine intensive, langfristige Recherchetätigkeit, in deren Verlauf der Enthüllungsreporter belastbare Fakten zu bestimmten Ereignissen zusammenträgt und diese in einem meist öffentlichkeitswirksam inszenierten Bericht einem breiten Publikum zugänglich macht. In der Praxis werden häufig sogenannte Whistleblower als Quelle genutzt. Diese Personen verfügen über Insiderinformationen, die ein Investigativjournalist analysiert, prüft, auswertet und vor der Veröffentlichung mit selbst recherchierten Fakten untermauert. Vom Enthüllungsjournalismus wird gesprochen, wenn Investigativreporter beispielsweise Missstände aufdecken, deren Existenz von den handelnden Personen abgestritten wird oder die sorgsam verschleiert werden.

Recherche als Grundlage für Investigativjournalismus

Eine Tätigkeit als Enthüllungsjournalist setzt eine fundierte journalistische Ausbildung voraus, da eine umfangreiche Recherchetätigkeit dem eigentlichen Bericht vorausgeht. Zur Anwendung kommen verschiedene Recherche-Praktiken. An Anfang steht stets ein konkreter Verdach, dem mithilfe von Informanten und Netzwerken auf den Grund gegangen wird. Bei der Recherche von außen nach innen werden zunächst unbeteiligte Personen befragt, bevor involvierte Beteiligte und die Verantwortlichen mit den Ermittlungsergebnissen konfrontiert werden. Bei einer anderen Recherchestrategie werden alle Beteiligten vom Investigativjournalisten einbezogen, um die erforderlichen Informationen zu sammeln. Bei einer dritten Form der Recherchetätigkeit im Enthüllungsjournalismus verläuft der Prozess fließend. Parallel werden Umstände ermittelt und zeitnah veröffentlicht. Für die Arbeit als Enthüllungsjournalist sind Fachkenntnisse der jeweiligen Branche, das journalistische Rüstzeug sowie Fleiß und Leidenschaft wichtige Voraussetzungen.

Praxisbezogene Ausbildung zum Enthüllungsjournalisten

Kenntnisse der journalistischen Praktiken und der strategischer Vorgehensweise bei der Recherchetätigkeit gehören zu den Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit als Investigativreporter. An der Axel Springer Akademie in Berlin, die zu den fortschrittlichsten Journalistenschulen Europas zählt, erhalten junge, talentierte Bewerber die Möglichkeit, im Rahmen einer zweijährigen Ausbildung den Beruf des Journalisten zu erlernen. Während der 18-monatigen Praxisphase erlernen die Auszubildenden das journalistische Handwerk in einer Online- oder Printredaktion des Axel Springer Verlages. Sie führen selbstständig Interviews durch, recherchieren zu bestimmten Themen und erstellen auf der Grundlage der Ergebnisse eigene Berichte, Redaktionsbeiträge und Reportagen. Im Austausch mit erfahrenen Enthüllungsjournalisten erfahren die angehenden Investigativreporter Details zur Vorgehensweise bei der Aufdeckung von Skandalen.

Crossmediales Ausbildungskonzept an der Journalistenschule

An der Journalistenschule der Axel Springer Akademie wird auf ein zukunftsweisendes crossmediales Ausbildungskonzept gesetzt. Künftige Enthüllungsjournalisten erlernen in einem Grundkurs das Recherchieren von Storys, das Schreiben von Reportagen und das Führen von Interviews mit und ohne Kamera. Das Ausbildungskonzept beruht auf der engen Verknüpfung von klassischen Printmedien mit der digitalen Medienwelt des Internets. Am Ende des sechsmonatigen Grundkurses steht ein eigenes Digitalprojekt, das im Team verwirklicht wird. Beim anschließenden Praktikum in einer Stammredaktion steht die Vertiefung der theoretischen Kenntnisse im Vordergrund. Als Teil der Online- oder Printredaktion recherchieren die angehenden Enthüllungsreporter zu bestimmten Themenkomplexen, produzieren eigene Berichte und arbeiten im Newsroom gemeinsam mit anderen Journalisten an der Erstellung der Print- oder Online-Ausgabe überregionaler Tageszeitungen.