Schriftliche Aufzeichnungen waren über Jahrhunderte und sogar Jahrtausende die wichtigste Quelle, Informationen für die Nachwelt festzuhalten. Aber spätestens, als man die menschliche Stimme aufnehmen und wieder abspielen konnte, vollzog sich ein Erfahrungswandel in der Rezeption von Medien. Eine der bekanntesten frühen Tonaufzeichnungen war der Beleg, dass das Deutsche Kaiserreich in den Ersten Weltkrieg eintrat. Kaiser Wilhelm II. erklärte in dieser kratzigen Aufnahme, bei der nur schwer alles zu hören ist, den Krieg. Trotz der langen Zeit, die seither vergangen ist, hat die Tonaufzeichnung nichts von ihrer historischen Tragweite eingebüßt. Für Interessierte, hier ist ein YouTube-Video mit der Aufzeichnung.

Weniger geschichtsträchtig, dafür in höherer Qualität, bieten heutige Diktiergeräte Forschern, Sprachwissenschaftlern und vor allem Journalisten und Journalistinnen die Möglichkeit, sich voll und ganz respektvoll auf den Interviewpartner zu fokussieren. Das Ablenken durch das Notieren von wichtigen Aussagen fällt durch den Einsatz von Diktiergeräten flach. Um sich das Auswerten der Audioaufnahmen zu erleichtern, sollten wichtige Sager, auf die man sich im anschließenden Artikel beziehen möchte, mit einem Zeitindex und einer kurzen Beschreibung trotzdem festgehalten werden.

Einem der produktivsten Erfinder der Neuzeit verdanken wir letztlich die Erfindung des Diktiergerätes. Der US-Amerikaner Thomas Alva Edison erfand mit dem Phonographen 1877 (Patenteinreichung tatsächlich an Weihnachten) den Urtyp einer Maschine für Sprachaufnahmen. Dieser Schall- und Klangschreiber konnte die Stimme (oder auch andere Geräusche) nicht nur aufnehmen, sondern unmittelbar danach auch wiedergeben. Es war ein Gerät mit zwei Funktionen – dies steht im Gegensatz zum erst zehn Jahre später erfundenen Grammophon.

Danach setzte die Entwicklung sich Schritt für Schritt über Tonbänder, Kassetten oder sogar Mini-Discs fort, bis dahin, dass man heute fast überwiegend digitale Diktiergeräte verwendet. Hierbei gibt es Einsteigermodelle und High-End-Geräte. Viele fragen sich womöglich, warum man ein Diktiergerät verwenden soll, wenn man doch mit dem Smartphone einen technischen Allrounder meist griffbereit in der Tasche hat? Unten gehen wir auf diesen Punkt detailliert ein. An dieser Stelle sei schon vorab erwähnt, dass es durchaus Vorteile für Journalisten hat, wenn man Aufnahmegerät und Kommunikationsmittel getrennt verwendet.

Arten von Diktiergeräten – die Unterschiede und Qualitätskriterien

Nicht nur bei Interviewsituationen, auch beim Konservieren von wichtigen Gedanken können Diktiergeräte sehr nützlich sein.

Analoge Diktiergeräte

Apropos konservative Nutzung – auch heute noch gibt es analoge Diktiergeräte. Noch vor zehn Jahren galt diese Form der Diktiergeräte als modern. Man konnte auf Mini- oder Kompakt-Kassetten 30 bis 60 Minuten eines Meetings, eines vertraulichen Gesprächs oder eines journalistischen Interviews aufzeichnen. Was vor einer Dekade aber noch der aktuelle technische Stand war, wurde längst von der digitalen Konkurrenz überholt. Galten und gelten analoge Diktiergeräte als robust, können sie in Sachen bequemer Bedienbarkeit mit ihrem digitalen Pendant kaum mithalten. Hält man bei Zubehör wie Mikrophonen, Stativen oder Kopfhöreranschlüssen noch mit, muss man beim Suchen nach der richtigen Stelle im Vergleich mit den Mitbewerbern allerdings rasch die Segel streichen. Wer in den 70er, 80er und 90er Jahren aufgewachsen ist, kennt Kassetten aus seiner Kindheit. Er oder sie kennt aber auch das geflügelte Wort „Bandsalat“. Nicht nur, dass Kassettenbänder einreißen können, schon ein Staubkorn kann beim Abspielen dafür sorgen, dass sich die Bänder in einen großen und kaum mehr zu entwirrenden Kuddelmuddel verwandeln.

Analoge Diktiergeräte haben aber auch heute noch Vorteile, daher werden sie auch noch vertrieben. In der Regel sind analoge Diktiergeräte preiswerter als die digitalen. Hinzu kommt, dass man die Tonbänder immer und immer wieder verwenden kann.

Aber man sollte nicht verschweigen, dass speziell die Archivierung von Audiodaten durch Kassetten aufwendig ist, viel Platz benötigt und man ein umständlicheres Suchsystem hat als bei digitalen Aufnahmen. Häufiges Wiederverwenden von Kassetten beeinträchtigt im Laufe der Zeit die Tonqualität.

Digitale Diktiergeräte

Nostalgische Gefühle lassen viele Menschen noch analoge Geräte verwenden, aber für den täglichen Arbeitsalltag von zum Beispiel Journalisten haben digitale Diktiergeräte klare Vorteile.

Der erste ist die sehr große Speicherkapazität. Nicht nur, dass viele Geräte zwischen vier und acht Gigabyte internen Speicher zur Verfügung stellen, durch externe SD-Karten mit zum Beispiel 32 Gigabyte lässt sich die Aufnahmefähigkeit auf teilweise über 2.000 Stunden erhöhen. Und das, ohne auch nur einmal löschen zu müssen.

Die Übertragbarkeit der Daten ist ein weiterer Pluspunkt für die Verwendung von digitalen Diktiergeräten. Nicht nur, dass man die SD-Karte einfach und rasch in ein anderes Lesegerät stecken kann, durch die mittlerweile zum Standard gehörende USB-Schnittstelle kann man die gesamten aufgenommenen Daten in Sekundenbruchteilen auf einen Rechner überspielen.

Einen Vorteil haben sowohl analoge wie auch digitale Diktiergeräte gemeinsam. Der Diktierende, sollte er jemand anderes schreiben lassen, muss beim Schreibvorgang nicht anwesend sein. So kann man zum Beispiel während einer Bahn- oder Busfahrt entspannt aufnehmen und das Gerät zur Bearbeitung im Büro oder der Redaktion deponieren. Und kein Assistent oder keine Assistentin muss sich erst eine Kopie des Steins von Rosette besorgen, um das Gekrakel einer Handschrift zu entziffern.

Fakt am Rande: Die Technologie der Diktiergeräte hat eine komplette Kulturtechnik beinahe verschwinden lassen – die Stenographie. Noch in den 1990er Jahren wurden an vielen weiterführenden Schulen die lange in Büros unabkömmliche Kurzschrift noch gelehrt. Heute ist sie meist aus den Lehrplänen verschwunden.

Digitale Diktiergeräte bieten vor allem investigativen Journalisten, die sehr auf den Quellenschutz achten müssen, abhängig vom Hersteller ein wichtiges Feature – die Datenverschlüsselung in Echtzeit. Je nach Modell wird somit die Datensicherheit gewährleistet. Das Gute daran ist auch, dass auch beim Verlust des digitalen Diktiergeräts kein Dritter auf die Daten zugreifen kann.

Vorteilhaft ist auch die Verbindung von digital aufgenommenen Audiodaten und einer automatischen Transkriptionssoftware. Diese beiden in Kombination können den meisten Journalisten eine Menge Zeit sparen und Arbeit abnehmen.

Viele Diktiergeräte lassen sich auch sehr schnell laden. Die Akkus reichen meist lange und können entweder über eine Steckdose oder über einen USB-Anschluss aufgeladen werden. Professionelle Geräte bieten zudem die Möglichkeit, mit Batterien die Aufnahmezeit zu verlängern.

Wichtig für Tonmitschnitte für den Investigativjournalismus ist oftmals eine sprachaktivierte Aufnahme. Dies ermöglicht nicht nur ein freihändiges Aufnehmen, sondern auch Aufzeichnungen, die unbeobachtet gestartet werden müssen.

Weitere wichtige Qualitätskriterien für Diktiergeräte sind …

  • ein gut lesbares Display mit Betriebsanzeige,
  • Sprachbefehl-Funktionen,
  • ein Passwortschutz,
  • selbst programmierbare Bedienelemente oder auch
  • das geringe Eigengewicht.

Man sollte als Journalist auch die Sprach- und Aufnahmequalität einstellen können. In den höchsten Qualitätseinstellungen erhält man fast die Qualität von professionellen Ton-Aufnahmegeräten für den Rundfunk. Die niedrigen Qualitätseinstellungen sorgen dafür, dass man komprimiert mehr Material aufnehmen kann.

Unterschied Diktiergerät und Smartphone

„Aber ich habe ein Smartphone. Das hat eine Aufnahmefunktion. Wozu brauche ich ein Diktiergerät?“

Tatsächlich sind die meisten Smartphone-Diktier-Apps einfach und schnell zu bedienen. Und da moderne Journalisten ohnehin immer ihr Smartphone griffbereit bei sich tragen, bietet sich dieses Universalwerkzeug auch für Tonaufnahmen an. Nun sollte man sich aber vor Augen führen, dass Diktiergeräte, speziell was die Mikrofontechnik betrifft, also Stereoklang, Richtmikro oder Rauschunterdrückung, besser funktionieren. Auch die Audioqualität, die Weiterverarbeitung und die unterschiedlichen Wiedergabemöglichkeiten setzen ein Häkchen hinter den Pluspunkten des Diktiergeräts.

Hinzukommt noch die Tatsache, dass man im schnelllebigen Geschäft des Journalismus überall und jederzeit erreichbar bleiben muss. Nimmt man also ein Interview mit dem Smartphone auf, kann ein eingehender Anruf, eine Kurznachricht oder eine E-Mail entweder die Aufnahme und somit das Gespräch stören, oder wird einfach zu spät wahrgenommen. Die Trennung der Kommunikations- und Aufnahmetechnik hat also speziell für Journalisten Vorteile.

Allerdings können die Diktier-Apps durchaus ein Helfer in der Not sein. Wer sein Diktiergerät vergessen hat, bei wem sowohl Akku sowie Batterie ausgelaugt sind oder bei wem auch immer der Speicher voll ist, kann selbstverständlich mit dem Smartphone arbeiten.

Tipps zur Verwendung von Diktiergeräten

Unabhängig, ob man die Aufnahme selbst abtippt oder dies von jemand anderem erledigen lässt, man sollte immer auf eine klare Aufnahmequalität achten. Aber nicht nur bei sich selbst. Sollte der Gesprächspartner genuschelt haben oder etwas in einen Huster hineingesagt haben, sollte man ihn oder sie bitten, den Satz zu wiederholen. Das erleichtert die spätere Verarbeitung immens.

Bevor man mit dem Diktiergerät Interviews führt, sollte man damit trainieren. So findet man zum Beispiel die ideale, die minimale oder auch die maximale Distanz des Sprechers zum Gerät heraus. Aber auch die Bedienung will gelernt sein. Welcher Knopf beginnt die Aufnahme, welcher aktiviert eine Pause, welcher stellt sicher, dass alles gespeichert ist? Diese Dinge können durch mehrmaliges Probieren in Fleisch und Blut übergehen. Somit kann man sich voll und ganz auf den Interviewpartner konzentrieren.