Binnen kürzester Zeit über die neuesten Meldungen von Nachrichtenseiten und vor allem Blogs informiert zu werden, kann ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Recherchetätigkeit sein. Um automatisch auf dem neuesten Stand zu bleiben, bieten sich für Journalisten sogenannte RSS Feeds an.

Was sind RSS Feeds?

Mit dem Dateiformat „Rich Site Summary“, oder kurz RSS, kann man sich über Änderungen auf Webseiten automatisch informieren lassen. Die Abkürzung RSS kann aber auch für „Really Simple Syndication“ stehen, was so viel wie „sehr einfache Verbreitung“ bedeutet.

Die RSS-Nachrichten werden meist über RSS-Channels bezogen. Diese Webseiten versorgen die Abonnenten der Feeds mit schnellen, leicht zu überblickenden Informationseinheiten. Diese beinhalten in der Regel die Schlagzeile (bei Blogs den Titel), einen kurzen Textanriss des Lead-Ins und meist den Link zum Originaltext. Auch Volltext-RSS-Feeds werden mittlerweile angeboten.

Die Kommunikation zwischen dem Abonnenten des RSS-Feeds und des verarbeitenden Servers übernimmt ein Client automatisch. Dieser Client ist sozusagen die Standleitung zwischen dem Endgerät und dem Nachrichtenanbieter.

Die Art der Benachrichtigung erinnert durchaus an einen Newsletter. Der signifikante Unterschied zwischen einem RSS-Feed und einem Newsletter ist der Ausgangspunkt der Kommunikation. Der Kommunikationswissenschaftler Steward Hall postulierte in seinem Sender-Empfänger-Modell der Kommunikation, dass die Absicht definiert, wer bei einer asymmetrischen Kommunikation der Sender und wer der Empfänger ist. Ausgehend von diesem Modell ist der Nachrichtenproduzent beim Newsletter der Sender und der Rezipient der Empfänger. Beim RSS-Feed hingegen verhält es sich genau umgekehrt. Durch die Clientanfrage vom Endgerät des Rezipienten aus, ist dieser nun als Sender und der Nachrichtenproduzent als Empfänger zu werten.

Wie können Journalisten RSS Feeds zur Recherche nutzen?

Die Nutzung von RSS-Feeds kann für einen Journalisten oder eine Journalistin im beruflichen Alltag eine Vielzahl von Vorteilen mit sich bringen.

Rascher Überblick

Die Verwendung von RSS-Feeds erlaubt es dem Medienpersonal, sich einen schnellen Überblick über eine Vielzahl von einzelnen Themen zu verschaffen. Neuigkeiten wie Sportergebnisse, neueste Kritiken zu Filmen oder auch die aktuellen Einträge eines Prominenten in dessen persönlichen Blog landen so rasch auf dem Desktop oder dem Smartphone. Spezielle Feedreader erleichtern den automatisierten Dialog zwischen dem Endgerät und den Ausgangsservern der Produzenten.

Eigene Einstellungen erleichtern das Arbeiten

Die Feedreader sind in einem praktikablen Umfang individuell konfigurierbar. Als Journalist kann man zum Beispiel frei wählen, in welchen Zeitintervallen das eigene Endgerät über einen Client bei den Ausgangsseiten des RSS-Feeds „nachfragt“.

Unregelmäßige Content-Lieferanten automatisch im Auge behalten

Recherche kostet Zeit – das weiß jeder angehende Journalist im ersten Semester. Speziell im Onlinezeitalter, wenn bestimmte Quellen in unregelmäßigen Abständen Meldungen publizieren, ist der Aufwand, diese ständig im Auge zu behalten, enorm. RSS-Feeds bieten hier eine zeitsparende Alternative. Man kann sagen, hier kommt der Nachrichtenberg zum journalistischen Propheten.

Weitere Zeitersparnis

Neben den genannten Punkten, die allesamt eine Zeitersparnis beinhalten, gibt es einen weiteren. Nicht nur bei Portalen, die unregelmäßig und verhältnismäßig wenig Content publizieren, sondern auch bei Webseiten, die das Gegenteil machen, also sekündlich neue Meldungen lancieren, sind RSS-Feeds ein Mittel der Zeitersparnis. Da man bei den Feeds einstellen kann, welche Themenfelder (Ressorts) interessant sind, muss man nicht immer eine komplette Webseite durchforsten, um nach neuen und spannenden Storys zu suchen.

Anonymes Recherchieren

In Zeiten, in denen mit Daten mehr gehandelt wird als mit vielen anderen Ressourcen und Geheimdienste sowie Hacker die persönliche Korrespondenz ungehindert einsehen können, ist ein RSS-Feed ein Garten der Anonymität – ganz besonders für Journalisten, die unter anderem mit sensiblen Daten hantieren. Anders als bei beispielsweise Newslettern oder Ähnlichem muss man keine persönlichen Daten angeben, wenn man einen RSS-Feed abonnieren möchte. Dem Nachrichtenproduzenten wird vom System nicht preisgegeben, wer die abgefragte Information über den RSS-Feed erhält. Ein Verifizieren einer E-Mailadresse fällt zum Beispiel flach.

Leichtes An- und Abmelden

Da keine Verträge oder etwas in dieser Richtung abgeschlossen wurden und man sich nicht wie bei Facebook durch Seiten von Nutzerhinweisen quälen muss, sind die Anmeldung und später die Abmeldung bei RSS-Feeds schnell und unkompliziert zu handhaben. Man ändert einfach die Einstellungen im Feedreader und ist so das RSS-Abo los. Anmelden funktioniert meist einfach über das bekannte RSS-Symbol in der entsprechenden Adresszeile.

Einsparen von Kosten

Sollten Journalisten selbst als freie Anbieter ihrer Dienstleistung einen RSS-Feed anbieten, kann ihnen dies Einsparungen im Verwaltungsbudget bringen. Niemand muss sich mehr lange und breit um die „Fütterung“ von Newsletter-Kunden kümmern. Neben dem Zeitaufwand erspart man sich auch das durchaus kostenintensive Newsletter-Programm. Auch die Verwaltung von E-Mails, speziell das Eintragen bei der Anmeldung, aber auch das Entfernen bei einer Abmeldung, entfällt.

Simple Weiterverarbeitung

Damit man als Journalist die Neuigkeiten aus einem RSS-Feed möglichst rasch weiterverarbeiten kann, bieten moderne leistungsfähige Reader (Aggregatoren) wie zum Beispiel der Inoreader spezielle zusätzliche Features an. Zu diesen zählen Kommentierungsmöglichkeiten, Ablagesysteme oder auch die Option, bestimmte Markierungen zu setzen.

Keine optische Ablenkung

Die optisch einheitliche Struktur innerhalb der Feedreader erleichtert es dem Journalisten und der Journalistin, sich darin einfach und schnell zurechtzufinden. Nichts lenkt die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen, also der Meldung, ab.

RSS-Feed Leser

Im Gegensatz zu nervigen Push-Nachrichtensystemen zählen RSS-Feeds zu den Pull-Systemen. Diese werden über die angesprochenen Feedreader dargestellt. Diese sammeln die Nachrichten von den eingestellten Zielseiten ein. Wegen dieser Sammelfunktion nennt man sie auch Aggregator, was im englischen Sammler bedeutet. Die meisten Aggregatoren können je nach den persönlichen Einstellungen des Nutzers sogar auf Foren zugreifen – zumindest, wenn diese einen solchen Dienst anbieten.

Die bekanntesten Feedreader sind …

  • Tiny Tiny RSS,
  • Selfoss,
  • Miniflux,
  • RSSOwl,
  • Mozilla Thunderbird,
  • Claws Mail,
  • Liferea,
  • NetNewsWire,
  • Vienna und

Die Entwicklung von Podcasts, also regelmäßig ausgestrahlten Video- oder Audio-Dateien, hat dazu geführt, dass es neben den rein textbasierten Feedreader auch jene für Podcasts gibt. Diese nennt man auch Podcatcher.

Bei den Podcatchern sind fünf besonders populär. Diese sind GNOME Podcasts, gPodder, iTunes, AntennaPod und Overcast. Jeder davon hat im Unterschied zu den Feedreader andere Lizenzbestimmungen.

Ähnliche Angebote und Alternativen zu RSS Feeds

Als Nachfolger für das RSS-Format wurde das sogenannte Atom-Format entwickelt. Dieses ermöglicht den plattformunabhängigen Austausch von Informationen. Sowohl RSS als auch Atom sind in XML codiert. Der JSON Feed hingegen arbeitet mit dem JavaScript Object Notation-System. Der Unterschied zwischen beiden Systemen ist, dass XML besser für den Datenaustausch an rigiden Schnittstellen geeignet ist, JSON bei flexiblen.

RSS-Reader für Android

Damit Journalisten RSS-Feeds nicht nur am Laptop oder dem Stand-PC nutzen können, gibt es diese Funktion selbstverständlich auch für Android-Smartphones. Dazu benötigt man eine Reader-App, die die Daten verarbeiten kann. Ist eine solche App installiert, kopiert man einfach die URL des gewünschten RSS-Feeds aus dem Browser hinein.

Beliebt ist zum Beispiel der RSS Feed Reader. Ohne sich anzumelden, kann man darüber per Widget die Feeds lesen. Eine All-In-One-App ist der gReader. Mit diesem können sowohl RSS Feeds wie auch Podcasts wiedergegeben werden. Auch das Lesen im Offline-Modus, nach vorherigem Download, ist möglich. Mit der App des Inoreader können viele Filterfunktionen ausgeführt werden. Zusätzlich kann man damit Webseiten für das spätere Lesen speichern sowie Feeds aus den Sozialen Medien beziehen.

Fazit

Für Journalisten, die sich den Vorgang der Online-Recherche durch einen gewissen Grad an Automatisierung erleichtern wollen, sind RSS-Feeds ein praktikables Recherche-Tool. Man sollte allerdings nicht allein auf diese setzen. So verhindert man eine womöglich einseitige Recherche. Für rasende Reporter bieten RSS Feeds auf dem Smartphone eine einfache Möglichkeit, sich auf dem Laufenden zu halten.