Das bewegte Bild reizt die Aufmerksamkeit von Menschen mehr als bloßer Text oder ein statisches Bild. Dies ist auch der Grund, warum in der Theorie der Ökonomie der Aufmerksamkeit, welche die menschliche Aufmerksamkeit als knappes Gut definiert, Bewegtbild vor allen anderen Informationsübertragungsmethoden gereiht wird.

Seit den Tagen der Gebrüder Auguste und Louis Lumière, als die Bilder laufen lernten, sickerte diese Kulturtechnik allmählich in die Welt der Journalisten ein. Als nach dem Zweiten Weltkrieg der Siegeszug der Heim-TV-Geräte nicht mehr zu stoppen war, passten sich die Informationsvermittler überall auf der Welt diesem Medium an. Schnell erkannten die Journalisten und Nachrichtenproduzenten die Wirkung von Kameraeinstellungen und Schnitten. Noch bis vor wenigen Jahren war das Produzieren von Nachrichtenvideos ein aufwendiger Prozess. Ein Kameramann, eine Tontechnikerin und eine Cutterin waren neben dem Journalisten mindestens erforderlich. Diese Manpower und der technische Aufwand mit Kameras, Mikrophonen und wortwörtlichen Schnittplätzen machten das Produzieren von Nachrichtenvideos für Medienunternehmen zu einem kosten- und zeitintensiven Unterfangen.

Mit dem Aufkommen von digitalen Kameras sowie günstigen bis kostenlosen aber dennoch leistungsstarken Videoschnittprogrammen wurde die Produktion von bewegten Bildern deutlich preiswerter. Nun reicht oftmals schon ein Mitarbeiter, der eine Kamera auf einem Stativ festmacht, das Mikro hält und die Fragen stellt, um hochwertiges Videomaterial zu produzieren. Am Laptop konnte der Mitarbeiter den Beitrag schneiden und an die Redaktion senden. Diese Entwicklung führt dazu, dass die meisten Rezipienten von Onlinemedien, vor die Wahl gestellt, ob sie lesen oder sich ein Video dazu ansehen, sich vermehrt für zweiteres entscheiden. Auch YouTube hat zu dieser Tendenz beigetragen. Die Plattform für Videos bietet kleinen wie großen Medienunternehmen die Möglichkeit, unkompliziert und meist auch suchmaschinenoptimiert mit Videobeiträgen an die Öffentlichkeit zu gehen.

Die Kombination aus Aufmerksamkeitsökonomie und gewachsenen Sehgewohnheiten führt nun dazu, dass ohne Videos viele Nachrichtenportale an Relevanz für den Rezipienten und daraus folgernd an Reichweite verlieren. Zusätzlich kann die Produktion von Videos kleine Nachrichten-Seiten oder Blogbetreiber sowohl finanziell sowie zeitlich an ihre Grenzen bringen – und darüber hinaus. Ein Tool, das hier einfach und rasch Abhilfe verschafft, ist hier eine Erleichterung. Ein Werkzeug, das in diesem Kontext in die Bresche springt, ist Wibbitz.

Was ist Wibbitz?

Israel mauserte sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der Standorte für aufstrebende Startups. 2011 gründeten hier die begabten und mit medialem Weitblick ausgestatteten Informatiker Zohar Dayan und Yotam Cohen ihre Plattform Wibbitz.

Wibbitz ist eine Webseite und versteht sich als computergestützter Videodienst, der über einen Internetbrowser funktioniert. Die dahinterliegende Technologie analysiert Textinhalte auf einer beliebigen Webseite und fasst diese zusammen. Anschließend greift das System automatisch auf Videos von öffentlichen Medien und kooperativen Inhaltsproduzenten, lizenzierte Bilder und frei zugängliche Webseiten zu, um aufbauend auf den analysierten Texten Videoclips zu der journalistischen Story zu generieren. Auch die Inhalte von Getty Images, AP, Reuters oder Bloomberg werden von der Plattform nach dem passenden Material durchforstet.

Das Medienunternehmen hat heute Büros in Tel Aviv, Paris sowie in New York. Nicht nur die Zahl der Mitarbeiter und der Büroräume hat sich verbessert, sondern auch die Technologie. Heute dauert es durchschnittlich zehn Sekunden, bis die Erstellung eines Videos aus einem Text abgeschlossen ist. Mittlerweile ist auch eine ausgefeilte Sprachausgabe in das System integriert. Speziell wegen der  Schnelligkeit, mit der Videos erstellt werden, lässt viele Medienunternehmen auf der ganzen Welt die Entscheidung pro Wibbitz leicht fallen.

Das Unternehmen ist selbstverständlich keine Non-Profit-Organisation. Es nimmt Geld ein, indem es einen Teil der Anzeigeneinnahmen der Videos verlangt. Zusätzlich gibt es monatliche Kosten, die bei rund 500 Dollar beginnen. Eine weitere Einnahmequelle für die Unternehmenseigner sind fremde Beteiligungen. Der im westfälischen Gütersloh beheimatete Medienkonzern Bertelsmann hat sich 2017 mit rund 20 Millionen US-Dollar an dem Startup über das BDMI (Bertelsmann Digital Media Investments) beteiligt.

Wie gut sind die Wibbitz-Videos?

Sieht man sich eines der Beispielvideos, welche auf der Unternehmens-Website präsentiert werden, an, kann man eines festhalten – solange man nur nach einer Zusammenfassung des Textinhalts in Videoform setzt, sind die Wibbitz-Videos gut genug. Man kann durchaus Vergleiche mit TV-Nachrichtenformaten auf Spartensendern wie NTV oder ähnlichen ziehen. Die Videos liefern professionell aussehenden und klingenden Bewegtbild-Content.

Wichtig zu wissen ist, dass der Wibbitz-Algorithmus einfache Nachrichten mit einem zentralen Kernthema bevorzugt. Nuancenreiche oder gar künstlerische Inhalte können von der Technologie meist nur unzureichend dargestellt werden. Bei derartigen Inhalten sollten Medienschaffende auf die Fähigkeiten menschlicher Cutter zurückgreifen.

Anfänglich sahen viele Medienschaffende ein Problem darin, dass die Videos von Wibbitz den Journalisten einen Teil ihrer redaktionellen Freiheit und damit auch Kontrolle über den Inhalt wegnehmen würden. Tatsächlich war dies am Anfang problematisch, da man als Wibbitz-User keinen bis fast keinen Einfluss auf die Videos selbst nehmen konnte. Dies hat sich aber geändert. Wibbitz bietet nun durchaus Möglichkeiten an, Anpassungen vorzunehmen. Benutzer des Dienstes können die Videos bearbeiten und neu zusammenstellen, ehe diese publiziert werden. Auch das Austauschen der künstlichen Moderatorenstimme durch einen professionellen Sprecher ist nun möglich. Abhängig vom investierten Geld kann man bei Wibbitz auch das eigenen Corporate Design, das Markenlogo, ein Wasserzeichen oder eine bestimmte Farbe implementieren.

Da Wibbitz ein reiner Onlinedienst ist, muss man keine externe Software dafür auf seinem Rechner installieren.

Worin liegen die Vorteile von Wibbitz für Journalisten?

Wibbitz kann sowohl kleinen Ein-Personen-Medienbetrieben wie auch großen Verlagshäusern oder sogar TV-Sendern helfen.

Auch wenn 500 Dollar pro Monat sich beträchtlich anhören, sollte man als journalistischer Einzelkrieger das Tool Wibbitz und die Kosten dafür als Investition in die Zukunft betrachten. Die Videos können, wenn man sie über Social Media wie Facebook, Instagram oder YouTube verbreitet, die Bekanntheit, Beliebtheit und letztlich die Reichweite des Nachrichtenportals erheblich steigern. Somit kann man die journalistischen Inhalte direkt über Anzeigen besser monetarisieren. Dies passiert einerseits über die Werbeschaltungen vor den Wibbitz-Videos, zum anderen über Bannerwerbungen auf der eigentlichen Seite. Die Videos können die Zugriffszahlen in der Regel steigern und den Werbekunden somit ein attraktives Umfeld für bezahlte Bekanntmachungen bieten.

Für große Medienunternehmen kann Wibbitz eine Bereicherung sein, da es die Kosten für die Videoproduktion hausintern senken kann. Selbstverständlich verliert man durch die Nutzung der mit Wibbitz kooperierenden Medien-Datenbanken durchaus die Kontrolle der gezeigten Inhalte, allerdings basieren diese immer auf den Texten der hauseigenen Redaktion.