Unglaublich: Im vergangenen November feierte sie ihren 96. Geburtstag. Jetzt, im Februar, an der Axel Springer Akademie liest sie scheinbar mühelos eine Stunde aus ihrer Autobiografie, glänzt mit Präsenz und beantwortet geduldig Fragen. Fragen, die einem zunächst im Halse stecken bleiben. Fragen, die das Unfassbare doch nicht fassen können. Es geht um den Holocaust, die Shoah, שואה, die Margot Friedländer als junge Frau wie durch ein Wunder überlebt hat. Im Untergrund.

Margot Friedländer im Februar 2018 bei ihrem Besuch im Roten Salon der Akademie

Margot Friedländer im Februar 2018 bei ihrem Besuch im Roten Salon der Akademie

 

Ihre Besuche an der Akademie haben Tradition, da sich die Journalistenschule – wie überhaupt der Axel Springer Verlag – dem jüdischen Volk und dem Existenzrecht des Staates Israel besonders verpflichtet weiß, dankbar für jede Minute, die Margot Friedländer dem journalistischen Nachwuchs schenkt, liest und erzählt von den unfassbaren Gräuel, aber auch von Menschen, die ihr geholfen haben. Es geht dabei nicht um Schuldvorwürfe, es geht um Erinnern, um Lernen, um Konsequenzen. Team 20 war im Sommer 2016 davon so beeindruckt, dass später das mehrfach preisgekrönte Projekt #sachorjetzt daraus entstand.

Aber auch bei Team 23: Tränen, Fassungslosigkeit, Schweigen in den ersten Minuten nachdem Margot Friedländer eine Stunde lang Passagen aus ihrem Buch „Versuche, dein Leben zu machen“ gelesen hatte – und die Überzeugung: Wir dürfen das nie vergessen!